Prof. Dr. Verena Dolle

Verena DolleVerena Dolle ist Professorin für spanische, portugiesische und lateinamerikanische Literaturen und Kulturen an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Meine Forschungsschwerpunkte

Literarische und filmische Repräsentation von Gewalt und Gewalterfahrungen (Conquista, Diktatur(en), urbane Gewalt); Identität(en). Konkret zu letzterem heißt das: Zu untersuchen, wie sich Begegnungen zwischen Kulturen und Herausbildung von Identität(en) in spanischsprachigen und lusophonen Literaturen von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart gestalten – wie werden sie modelliert und symbolisch repräsentiert? Kulturbegegnung und Erfahrung von Differenz erfolgt bei Bewegungen im Raum (Migration, Reise) und führt zur Einrichtung von bestimmten, mehr oder weniger abgeschotteten Räumen (Diaspora, im Zuge der Globalisierung und Medialisierung territorial nicht mehr gebundene transnationale „ethnoscapes“ im Sinne von Appadurai) und zur Auseinandersetzung und Infragestellung von tradierten Identitäten einerseits und der Herausbildung neuer – hybrider – Identitäten andererseits.

Den konkreten Untersuchungsgegenstand bilden literarische Werke aus unterschiedlichen Epochen und Räumen: spanischsprachiger Literatur der Kolonialzeit, jüdisch lateinamerikanischer Literatur und lusophoner afrikanischer Literatur des 20./21. Jahrhunderts, in denen Migrationserfahrungen, die Art der Begegnungen mit dem Anderen/Neuen/der Aufnahmekultur, thematisiert und Fragen von Verortung (Heimat/Heim oder das Un-Heimliche als Verlust von Heimat) reflektiert werden. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Aspekt, wie die Begegnung zwischen Kulturen literarisch gestaltet und wie Übersetzungsprozesse von Differenz modelliert werden – gilt das Augenmerk den Unübersetzbarkeiten oder mehr den Übersetzbarkeiten, und, wenn ersteres zutrifft: Wie werden diese Unübersetzbarkeiten zum Ausdruck gebracht, mit oder ohne Vornehmen von Hierarchisierungen/Abwertungen des Fremden? Gibt es einen gemeinsamen Nenner (etwa den Bezug auf universale Menschenrechte)?

Kurz zusammengefasst: Ich frage danach, wie Prozesse von kulturellen Begegnungen und Erfahrungen von Differenz, hervorgerufen durch Migration, literarisch verarbeitet und welche Modelle von Begegnung und Verständigung mit dem Fremden in bestimmten historischen Phasen und nationalen Kontexten wirkmächtig werden.

Laufende Forschungsprojekte mit Bezug zu Migrations- und  Menschenrechtsfragen (im weiteren Sinne)

 

derzeit in der Begutachtung bei der EU, Förderlinie Horizont 2020; ”EULAMM: Making Europe, or: The European Dream – EU in Latin American Mass Media (2001-2015)”, interdiszinipläres internationales Projekt, das sich mit der Darstellung der EU als (attraktives) Migrationsziel in lateinamerikanischen Massenmedien (Fernsehen, Film, Literatur, Presse), v.a. in den Ländern mit der höchsten Migrationsquote in die EU (Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Argentinien) befassen und Veränderungen in dieser Darstellung nach der europäischen Wirtschaftskrise 2007/08 in den Blick nehmen wird.

 

Ausgewählte Publikationen zum Themenkreis der Forschungsgruppe

  • A constituição literária do self feminino na diáspora: No exílio, de Elisa Lispector. In: C. Gronemann/P. Imbert/C.Sieber (eds.), Estrategias autobiográficas en Latinoamérica: Géneros – Espacios – Lenguajes. Hildesheim: Georg Olms Verlag 2010, 89-108.
  • Das Un-Heimliche im lyrischen Werk von Conceição Lima (São Tomé). In: V. Dolle, A. Begenat-Neuschäfer (eds.), Poesia do terceiro espaço. Lírica lusófona contemporânea – Poesie des Dritten Raumes. Zeitgenössische lusophone Lyrik, Frankfurt am Main, Peter Lang 2014, 199-214.
  • La Conquista, globalizada, y la metáfora de la frontera en el teatro mexicano contemporáneo. In: Verena Dolle (ed.), La representación de la Conquista en el teatro latinoamericano de los siglos XX y XXI. Hildesheim: Georg Olms Verlag 2014, 35-57.
  • Von Brücken, Grenzen und Mauern: Möglichkeiten und Aporien kultureller Übersetzung in fiktionalen Texten zeitgenössischer Autoren hispanischer Provenienz, befasst sich mit dem Thema Migration und Kulturbegegnung (Vortragsversion, Druck in Vorbereitung).

Weitere Publikationen

  • Dolle, Verena (Hg.), Múltiples identidades. Literatura judeo-latinoamericana de los siglos XX y XXI. Madrid: Iberoamericana (BIA, 147) 2012, darin auch ein Aufsatz von mir zur Identitätskonzeption im autobiographischen Werk der jüdisch-mexikanischen Schriftstellerin Margo Glantz.
  • Helden gestalten. Die Eroberung Mexikos im spanischsprachigen Epos des Siglo de Oro: Hernán Cortés als epischer Held. Habilitationsschrift Universität Eichstätt-Ingolstadt 2007. Span. Version in Vorbereitung.
  • Espacios al margen de la ley. In: Brigitte Adriaensen, Valeria Grinberg Pla (eds.), Narrativas del crimen en América Latina. Transformaciones y transculturaciones del policial. Berlin: Lit Verlag Dr. W. Hopf 2012, 109-125.